Julia Faber

Die fotorealistischen Werke der in Wien lebenden Künstlerin Julia Faber kreisen rund um Themen gesellschaftlicher Konzeptionen von Sexualität, der Wahrnehmung von Körperlichkeit und ihrer historischen Verortung.

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Julia Faber fasziniert historische Stoffe und Körperlichkeit, v.a. die Spannung zwischen der den Körper negierenden Gesellschaftseinstellung des 19. Jahrhundert bei gleichzeitiger medizinischer Fokussierung auf das Geschlecht. Julia Faber glaubt, dass nur in dieser Konstellation solche körperverachtenden medizinischen Maßnahmen, wie schmerzhafte Penisringe oder Beschneidungen und Verätzungen des Geschlechts bei Mädchen wie Jungen, getroffen werden konnten. Die Unwissenheit der Menschen über den Körper setzt eine grundsätzliche Verachtung dieses Körpers voraus, eine Scham und ein Schuldgefühl diese unzureichende Hülle zu besitzen. Deren menschliche Fehlbarkeit, ja Menschlichkeit, niemals an die moralischen Vorstellungen von seelischer Reinheit herankommen zu können, die die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts sich selbst gesetzt hatte. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass dieser Körper für seine Fehlbarkeit des Fleisches, mit der er den Geist und die Seele seines Besitzers plagt, bestraft wird. Dieser Kampf des Menschen mit seinem Körper und die Waffen, die er dabei einsetzt sind der Mittelpunkt meiner Faszination mit dieser Zeit und auch der Mittelpunkt meiner Arbeiten. Die strengen restriktiven Praktiken des 18. und 19. Jahrhunderts im Körperumgang und in der Gesellschaft haben im 20. Jahrhundert einen Befreiungsdrang hervorgerufen. Dieser äußert sich nun darin, dass wir Angst haben in die veralteten Praktiken zurückzufallen. Wir schämen uns vor der Scham. Deshalb reden und reden wir über Sex als ob er uns aus unserem eigenen Zwang befreien könnte. Als wäre er der Schlüssel zu unserer Seele, die Antwort auf die Frage wer wir eigentlich sind.

Zentral stellt sich die Frage eines Einflusses historisch verankerter Konzepte, wie der „Prüderie“ oder der Rollenbilder der Geschlechter und damit verbundener Moralvorstellungen auf die gegenwärtig wahrnehmbare Übersexualisierung der Gesellschaft.

 

Freitag 2 Juni 2017
bis Sonntag 18 Juni 2017