Call me Ornament

Die berühmte Schrift „Ornament und Übertretung“ von Adolf Loos, ein Manifest, dem es gelang, Ornamente an den Rand des Designdiskurses zu verbannen, ist nicht der einzige, der Ornamente als „überbordende Schönheit“ ablehnte. Seit nunmehr 70 Jahren regieren glatte Oberflächen.

Und doch gibt es auch heute noch Künstler und Designer, für die Harmonie und Ganzheitlichkeit eine unglaublich wichtige Rolle spielen – sie schaffen Atmosphären, deren gewagte Wechselwirkungen mit dem Dekorativen eine vergrößerte Raffinesse in Objekten und Innenräumen erzeugen.

 

Sie differenzieren nicht die künstlerischen Gattungen, sondern entwickeln ästhetische Perspektiven für handwerkliche Objekte und Räume, die Illustrationen, Möbeldesign, Tapisserie, Textilien, Bordüren, Zierleisten, Stuck und nachhaltige Konstruktionen zusammenführen.

 

Diese „Combinaisons ornementales“ funktionieren wie ein Kaleidoskop, das Gegenstände in ganze Kunstwerke verwandelt und die Bewohner wie in einem ästhetischen Labyrinth in seinen Bann zieht.

 

 

Hintergrund:
Die Ausstellung „Call me Ornament“ ist inspiriert von Künstlern wie Alfons Mucha oder Henry van der Velde, deren Lebenswerk sich auf die verschiedensten Genres des Designs erstreckte. Sie sahen ihre Umwelt als eine Szenerie des Lebens; ein pragmatisches Programm mit bereits festgelegten Anforderungen, für die das Beste gilt, nämlich eine bis zum Maximum getriebene Ästhetik.

 

Diese ehrgeizigen Projekte, die sich der Ästhetik verschrieben haben, standen und stehen ständig unter dem Verdacht, oberflächlich zu sein. Es war bereits bekannt, dass in den Zeiten der ästhetischen Trockenheit und der Reduktion des sichtbaren Überflüssigen eine leere Oberfläche auch ein leeres Inneres bedeuten kann – dass die unklare Intensität der Lebenserfahrungen zu fehlen scheint.

 

Die in der Ausstellung „Call me Ornament“ präsentierten Sammlungen von Ornamenten und Modellen beruhen auf dem Konzept der Resonanz als einer grundlegenden Sehnsucht nach einer Welt, die diesem Wunsch entspricht. Hier wird die Lebenserfahrung der Romantik wieder aufgegriffen, d.h. ein individuelles, in sich gekehrtes Erleben des Lebens, aber auch ein Hinausgehen in die Welt, das es erlaubt, die eigene Heimat zu finden.

Im Zentrum dieses „Heimatgefühls“ steht eine umfassende, differenzierte Aufmerksamkeit gegenüber der Welt, die ihren Ausgangspunkt im Sinnlichen findet. Ästhetische Formationen beginnen immer mit einem Gefühl der Sinnlichkeit, das zuerst zum Zentrum der Aufmerksamkeit wird und aus dem sich ein gewisses spielerisches Verhältnis zu den möglichen verfügbaren Bedeutungen entwickelt: Die sinnliche Aktivität wird zu einer sinnlichen Figuration. Ob, wie Dostojewski schrieb, „die Schönheit die Welt erlöst“, bleibt abzuwarten. Dass Kunst und Ästhetik zum Ausgangspunkt für neue Zukunftsvisionen werden, merken derzeit sogar die „Digital Natives“. Die sinnliche Wahrnehmung, das Bewegen der Seele, die Freude an der Schönheit von Gärten und Plätzen, die Ruhe und der kontemplative Blick lassen neue Formen des Miteinanders entstehen, die wiederum die Entwicklung neuer Lösungen ermöglichen.

Teilnehmende Künstler:

Atelier Mestdagh, Orson Oxo van Beek, Pernille Braun, Manuel Canu, Maarten de Ceulaer, Jojo Corväiá, Laurids Gallée, Naama Haneman, Jan Hooss, Zaratea Gården Hurtig, Helen Johannessen, Joshua Kerley, Maxime Louis-Courcier, Kristine Mandsberg, La Double Clique, Lucia Massari, Pippo Monastra, Christopher Riggio, Laurin Schaub, Sarah Schrof, Thijmen van der Steen, Joseph Töreki, Iva Viana, Ward Wijnant, Zuber & Salzmann

 

 

Ward Wijnant